Wilde Orchideen im Garten

Als wir unseren Garten zum ersten Mal für den Kauf besichtigt haben, kam ich aus dem Staunen kaum heraus: Da wuchs doch in dem Garten ein Knabenkraut (Dactylorhiza)! Da wir Jahre zuvor bei der Pflege einer Orchideenwiese durch den BUND mitgeholfen hatten, wussten wie, dass alle heimischen Wildorchideen unter Naturschutz stehen und eigentlich nicht in Gärten vorkommen (Meine Verblüffung wäre kaum größer gewesen, wenn mir ein Pandabär entgegengekommen wäre ;-)).

Zu diesem Artikel gibt es mittlerweile ein Update mit weiteren Infos!

Über heimische Orchideen

im Frühjahr noch sehr unscheinbar, blüht das gefleckte Knabenkraut im Frühsommer in voller Pracht
Im Frühjahr noch sehr unscheinbar, blüht das gefleckte Knabenkraut im Frühsommer in voller Pracht

In diesem Fall liegt die Vermutung nahe, dass unsere Vorbesitzer die Orchidee dort aus der Natur angesiedelt haben. Das darf man aber auf keinen Fall machen! Erstens, da sie unter Naturschutz steht und es verboten ist, sie auszugraben und zweites, weil man das Pflänzchen in 99 Prozent der Fälle damit umbringt. Orchideen leben nämlich in Symbiose mit Bodenpilzen und diese Bodenpilze reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen des Bodens.

Allerdings werden auch heimische Orchideen nachgezüchtet und lassen sich beispielweise online bestellen. Dazu kann man dann ein Pilz-Substrat für den Boden bestellen. Inwieweit das erfolgsversprechend ist kann ich nicht beurteilen. Das ist aber auf jeden Fall besser als ihren Bestand in der Natur noch weiter zu dezimieren.

Der Stendelwurz ist sehr unauffällig
Die Stendelwurz ist sehr unauffällig

Nun ist mir seit Anfang des Jahres noch ein anderes Pflänzchen aufgefallen, dass sich an vielen Stellen im Garten angesiedelt hat. Meist war das nur ein einzelnes Blatt, wie von einem mickrigen Maiglöckchen. Die Stellen waren auch meist ungünstig, so dass ich immer wieder versucht war, es als Wildkraut zu jäten. Selbst als dann der Stängel ausgetrieben ist, war es relativ unspektakulär. Aber dann, ein genauer Blick – und schon wieder eine heimische Wildorchidee! Diesmal wohl eine Stendelwurz (Epipactis).

kleine unscheinbare Blühte eines Stendelwurz
Kleine unscheinbare Blüte einer Stendelwurz

Als ich mich an den Anblick des Stendelwurzes gewöhnt hatte, konnte ich sie auch auf dem Weg zum Garten mehrmals am Wegesrand wachsen sehen.

Diese ganze Geschichte macht mich froh, weil ich dadurch meine Annahme bestätigt sehe, dass Gärten einen echten Beitrag zum Naturschutz bieten können. Das Gärten als Oasen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten dienen können, von wo aus sich diese wieder ausbreiten können, wenn die Bedingungen in der Natur wieder besser werden.

Orchidee im Garten

Was man tun kann, um wilden Orchideen ein Zuhause im eigenen Garten zu bieten:

Dieser Stendelwurz blüht lila
Diese Stendelwurz blüht lila
  • Die Augen offen halten: Orchideen sind gerade wenn sie nicht blühen sehr unscheinbar (ähnliche Blätter wie Maiglöckchen)
  • Unbekannte Pflanzen im Zweifel einfach stehenlassen und ein Jahr abwarten, wie sie sich entwickeln
  • Gerade die etwas feuchteren und schattigeren Stellen im Garten möglichst wenig betreten und nicht düngen (auch nicht mit Kompost).
  • Gerade ein Biogarten hat einen gesunden und natürlichen Boden ohne künstliche Düngung. Dabei kommt den Orchideen auch zu Gute, dass der Boden wenig bearbeitet wird und die Bodenpilze sich somit ungestört ausbreiten können.
  • Wenn dann eine Orchidee gefunden wurde, sollte man sie in Ruhe lassen. Also bitte nicht versuchen, sie umzusetzen oder zu düngen. Denn man muss immer bedenken, dass sich die Orchidee genau diese Stelle selbst ausgesucht hat und jede kleinste Veränderung zu viel sein könnte. Allenfalls das Verdrängen durch andere Pflanzen sollte man, am besten durch regelmäßigen Rückschnitt der anderen Pflanzen, verhindern.

Gleichzeitig darf man sich geschmeichelt fühlen, wenn sich wilde Orchideen im eigenen Garten ausbreiten, denn sie haben Indikatorfunktion für naturnahe, (nahezu) intakte Biotope. Für Orchideen gibt es außerdem Kartierungsprojekte, die sich über jede Fundmeldung freuen (z.B. für NRW: Arbeitskreis Heimische Orchideen http://aho-nrw.de ).

Auch unser Knabenkraut mit seinen gefleckten Blättchen macht immer wieder Versuche, sich auch woanders auszubreiten. Ich hoffe, dass ihm dies noch gelingt!

 

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